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MOOD_BOOST

Untersuchung zur Gestaltung von Emotionen im Modedesign

Die Arbeit untersucht, wie Emotionen bewusst und unbewusst durch Design gestaltet und wahrgenommen werden können. Im Mittelpunkt steht die Erkenntnis, dass Produkte und Gestaltung erst durch menschliche Erfahrungen, Gefühle und zwischenmenschliche Zusammenhänge eine tiefere Bedeutung erhalten. Ich beschreibe Gestaltung als einen Prozess des sensiblen „Nachspürens“, bei dem emotionale Wahrnehmung, Reflexion und persönliche Erfahrungen eine zentrale Rolle spielen. Gleichzeitig wird betont, dass echte emotionale Bindung nicht künstlich erzeugt werden kann, sondern aus authentischer Bedeutung und einem klaren Zweck entsteht. Die Arbeit versteht Design deshalb nicht nur als funktionale Aufgabe, sondern auch als verantwortungsvolle Möglichkeit, Menschen emotional zu berühren und nachhaltiges Denken zu fördern.

MOOD-BOOST entstand im Rahmen meines Masterstudiums an der Fakultät für Angewandte Kunst Schneeberg - Westsächsische Hochschule Zwickau und wurde 2022 als bestes Masterprojekt ausgezeichnet. Mein aufrichtiger Dank gilt meinen Professorinnen Dorette Bárdos und Dipl. Des. Anja Werner und allen, die dieses Projekt begleitet und ermöglicht haben.

INSPIRATION

Die Arbeit untersucht, wie Mode und Design Emotionen, Wahrnehmung und zwischenmenschliche Empathie vermitteln können. Die Kollektion MOOD_BOOST übersetzt euphorische Gefühle und menschliche Sinneseindrücke in Farben, Materialien und Oberflächenstrukturen, um emotionale Reaktionen hervorzurufen. Kleidung wird dabei als Kommunikationsmittel verstanden, das Menschen miteinander verbindet und Raum für individuelle Interpretationen schafft. Gleichzeitig setzt sich die Arbeit kritisch mit Reizüberflutung und oberflächlichem Konsum auseinander und betont die Bedeutung echter emotionaler Erfahrungen.

Grundlage ist dabei das Sender-Empfänger-Prinzip, bei dem Kleidung als kommunikatives Medium verstanden wird, das Gefühle, Botschaften und individuelle Interpretationen zwischen Menschen vermittelt.

REFLECTION :

"Nach dem Prinzip ‚Wenn man eine Sache verstanden hat, beginnt man auch andere zu verstehen‘ entwickelte sich daraus ein tieferes Verständnis für Wahrnehmung, Empathie und die Wirkung gestalterischer Entscheidungen auf Menschen."

MB structure
DESIGN CONCEPT

Im Mittelpunkt des Designkonzepts steht die Frage, wie Emotionen durch Mode bewusst wahrnehmbar und erfahrbar gemacht werden können. Die Kollektion untersucht, wie Farben, Materialien, Formen und haptische Kontraste Gefühle wie Euphorie, Vertrauen, Aufmerksamkeit und Empathie auslösen und zwischenmenschliche Wahrnehmung beeinflussen. Psychologische Erkenntnisse über menschliche Emotionen werden dabei mit multisensorischem Design verbunden, um Kleidung nicht nur als funktionales Objekt, sondern als emotionales Kommunikationsmittel zu verstehen.

Logo Emotion LOCATION
Logo Emotion ANALYZATION
Logo Emotion TRANSLATION
Logo Emotion DETERMINATION.
Logo Emotion INTERPRETATION
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EMOTION ANALYTIC
DESIGN METHOD

„Emotionsbestimmung“ beschreibt im Grunde den Versuch, Emotionen zunächst analytisch greifbar zu machen, um sie anschließend gezielt und somit bewusst in Gestaltung übersetzen zu können. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass es grundlegende Basisemotionen gibt, aus denen sich viele weitere emotionale Zustände ableiten lassen. Beispielsweise gehören zur Freude Gefühle des Interesses, des Vertrauens, der Überraschung oder der Trauer. Diese Emotionen werden nicht isoliert betrachtet, sondern mit bestimmten gestalterischen Eigenschaften und menschlichen Reaktionen verbunden.

Für die Kollektion wurde anschließend untersucht, welche Emotionen im Mittelpunkt stehen sollen. Dabei fiel der Fokus vor allem auf Euphorie, die Aufmerksamkeit, Interesse, Vertrauen und Empathie nach sich zieht. Mithilfe des sogenannten „Emotion Grid“, aus dem Buch mit dem Titel Emotionen Gestalten, wurden diese Gefühle innerhalb eines emotionalen Spektrums verortet, um ihre Beziehungen zu anderen emotionalen Zuständen sichtbar zu machen. Dadurch konnte analysiert werden, welche zusätzlichen Werte mitschwingen, etwa Begeisterung, Behagen, Offenheit oder Sinnlichkeit.

 

Die Emotionsbestimmung dient also nicht nur dazu, Gefühle zu benennen, sondern vor allem dazu, gestalterische Entscheidungen bewusster treffen zu können. Farben, Materialien, Kontraste, Oberflächen und Formen werden dadurch gezielt ausgewählt, um bestimmte emotionale Wahrnehmungen beim Menschen hervorzurufen. Emotion wird damit zu einer Art gestalterischer Orientierungsebene, die beeinflusst, wie ein Objekt wahrgenommen, interpretiert und emotional erlebt wird.

Besonders interessant ist dabei, dass die Arbeit Emotion nicht als etwas rein Individuelles versteht, sondern als sozialen Prozess. Gefühle wie Freude oder Vertrauen fördern zwischenmenschliche Interaktion und schaffen Verbindung zwischen Menschen. Genau deshalb steht der Mensch selbst im Zentrum der Kollektion: nicht nur als Träger der Kleidung, sondern als emotional wahrnehmendes und kommunizierendes Wesen.

STRUCTURE / EXPRESSION
BEOBACHTUNG
ÜBERSETZUNG IN PUNKTE
MATERIAL / LAYERING

Die Zeit während der Pandemie war für mich stark vom Alleinsein geprägt. Soziale Kontakte, die meinen Alltag bereichert hatten und wichtig für mich waren, brachen weg oder veränderten sich spürbar. Gesellschaftlich entstanden zunehmend Reibung, Ungewissheit und ein verordnetes Zurückziehen. Distanz wurde zu einem omnipräsenten Begriff. Dadurch entwickelte sich eine neue Form der Wahrnehmung. Dinge, die zuvor selbstverständlich wirkten, bekamen emotional ein anderes Gewicht.

 

Mit der Zeit bemerkte ich, dass sich diese Stimmung auch auf meinen kreativen Prozess übertrug. Freude, Euphorie und Leichtigkeit wurden durch eine ruhigere, dichtere und teilweise schwerere Atmosphäre ersetzt. Unbewusst begann ich verstärkt nach kontrastreichen Farbkombinationen, verdichteten Strukturen und repetitiven Oberflächen zu suchen. Strukturelles Denken hatte mich zwar schon immer fasziniert, doch in dieser Zeit entwickelte sich, psychologisch gesprochen, ein neuer Filter meiner Wahrnehmung.

 

Besonders faszinierte mich die Spannung zwischen Ordnung und Überfrachtung. Die eng gesetzten Strukturen im Inneren von Mohnblüten, Lichtbrechungen und Bewegungen von Wasseroberflächen sowie daraus entstehende analoge Strukturen entwickelten für mich eine beinahe meditative Wirkung. Alles, was durch Bewegung, Wiederholung oder Verdichtung entstand, wurde zunehmend interessant.

 

Auch das monotone Stanzen einzelner Punkte aus Pappe und ihr stilles, fast ritualhaftes Aufkleben veränderte sich mit der Zeit von einem rein technischen Vorgang zu einer konzentrierten Form der Beobachtung. Transparenz, Lichtdurchlässigkeit und Struktur begannen auf mich emotional zu wirken und wurden zunehmend Teil meines gestalterischen Denkens. Über Stunden und Tage hinweg setzte ich mich intensiv mit diesem Prozess auseinander und versuchte, ihn bewusst erfahrbar zu machen. Die Arbeit entstand dabei weniger aus einem festen Plan heraus, sondern vielmehr, und das halte ich für essenziell in kreativen Prozessen, aus einem fortlaufenden Zustand des Suchens, Beobachtens und Fragens. Natürlich beginnt man irgendwann weiterzudenken und sich zu fragen, welche Wirkung sich daraus noch entwickeln lässt.

Durch die algorithmische Übersetzung fotografischer Informationen in verdichtete Punktstrukturen entsteht ein Spannungsfeld zwischen technischer Präzision, organischer Wahrnehmung und emotionaler Projektion.

Ausgangspunkt war zunächst keine technische Fragestellung, sondern der Versuch, einen emotionalen Zustand visuell greifbar zu machen. Besonders interessierte mich dabei die Frage, wie sich Atmosphäre, Spannung oder emotionale Dichte in eine visuelle Struktur übersetzen lassen.

 

Auf der Suche nach einer Möglichkeit, fotografische Inhalte skalierbar weiterzuverarbeiten, stieß ich auf das ursprünglich für Laserprozesse entwickelte Programm StippleGen2. Dieses übersetzt Bildinformationen anhand von Helligkeitswerten in unterschiedlich dichte Punktstrukturen. Je dunkler die Bildbereiche, desto stärker verdichten sich die Punkte. Obwohl der Prozess algorithmisch gesteuert wird, wirkten die entstehenden Strukturen überraschend organisch und lebendig. Der Punkt entwickelte sich dabei zunehmend zu einem flexiblen Träger von Wahrnehmung und Bedeutung.

 

Als einzelnes Element bleibt er nahezu neutral, innerhalb einer Struktur kann er jedoch Rhythmus, Bewegung, Überreizung oder Ruhe erzeugen. Besonders die Überlagerung dichter Punktfelder erzeugte für mich eine visuelle Intensität, die emotionale Zustände nicht nur darstellt, sondern atmosphärisch erfahrbar macht.

Die Arbeit entstand weniger aus einem linearen Plan heraus als vielmehr aus einem fortlaufenden Prozess des Beobachtens, Experimentierens und Übersetzens. Digitale Präzision, manuelle Wiederholung und intuitive Materialarbeit begannen dabei zunehmend ineinanderzugreifen.

Zu Beginn der Materialrecherche war es wichtig, ein Medium zu finden, das die Übersetzung gestalterischer Ideen nicht einschränkt. Pappkarton erwies sich dabei als besonders geeignet, da er trotz struktureller Bearbeitung stabil bleibt, kosteneffizient ist und schnelle experimentelle Prozesse ermöglicht. Bereits mit einfachen Mitteln ließen sich starke visuelle Wirkungen erzeugen, wodurch eine intuitive und zugleich ressourcenschonende Arbeitsweise entstand.

Im weiteren Verlauf entwickelte sich daraus die grundlegende Entscheidung, Oberflächen entweder Punkte hinzuzufügen oder ihnen Punkte zu entziehen. Letztlich fiel die Wahl bewusst auf die additive Methode. Transparentes Material wie Feindraht wurde dabei mit geplotteten Transferfolien versehen, deren Punktstrukturen zuvor digital ausgearbeitet wurden. Durch die Überlagerung mehrerer transparenter Ebenen entstanden Verdichtungen, Tiefenwirkungen und visuelle Spannungsfelder.

 

Besonders relevant war dabei das Wechselspiel zwischen Transparenz und Überfrachtung. Freie Flächen ermöglichten Durchsicht und ließen darunterliegende Ebenen sichtbar bleiben, wodurch sich Oberflächen in Bewegung ständig neu überlagerten und veränderten. Struktur wurde dadurch nicht nur grafisch, sondern räumlich und atmosphärisch erfahrbar. Die Wirkung jeder Oberfläche wurde fortlaufend im Zusammenspiel mit Farbe, Silhouette und Schnittführung überprüft. Jedes Outfit entwickelte dadurch eine eigene strukturelle und emotionale Charakteristik.

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COLOR CONCEPT

Das Farbkonzept der Kollektion basiert auf emotionalen Gegensätzen und ihrer Wirkung innerhalb von Struktur, Fläche und Bewegung. Kühles Petrol und Türkis treffen auf intensive Magenta-, Fuchsia- und Schwefelgelbtöne, wodurch Spannungsfelder zwischen Distanz, Ruhe, Euphorie und Überreizung entstehen. Die Auswahl der Farben steht dabei in engem Zusammenhang mit den emotionalen Zuständen, die den gestalterischen Prozess begleitet haben.

 

Während kühle Farbwelten Rückzug, Reflexion und Distanz vermitteln, erzeugen intensive Kontraste und leuchtende Akzentfarben Momente von Spannung, Dynamik, Reizüberflutung und emotionaler Verdichtung. Besonders Schwefelgelb, Fuchsia und Magenta wirken innerhalb der Kollektion wie energetische Signale, die Aufmerksamkeit bündeln und emotionale Intensität verstärken.

 

Schwarz und Weiß fungieren als visuelle Ruhepole und schaffen Bereiche der Konzentration innerhalb stark aufgeladener Oberflächen. Durch Überlagerungen, Transparenz und unterschiedlich verdichtete Punktstrukturen entstehen ständig wechselnde atmosphärische Zustände zwischen Kontrolle und Euphorie.

 

Farbe wird innerhalb der Kollektion daher nicht dekorativ eingesetzt, sondern als emotionales und psychologisches Gestaltungsmittel verstanden, das Wahrnehmung und Stimmung unmittelbar beeinflusst.

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VISUAL EXPERIMENT

Die technischen Zeichnungen dienten nicht ausschließlich der konstruktiven Planung, sondern entwickelten sich zu einer Erweiterung des gestalterischen Prozesses selbst. Während die vorherigen Experimente vor allem Wirkung, Struktur und Atmosphäre untersuchten, entstand hier zunehmend die Aufgabe, diese Eindrücke in ein tragbares System zu übersetzen.

Besonders relevant war dabei das Zusammenspiel zwischen Silhouette, Linienführung und Oberflächenwirkung.

 

Viele Elemente wurden bewusst verlängert, geöffnet oder geschichtet, um Bewegung, Transparenz und visuelle Spannung zu erzeugen. Die Konstruktion der Kleidungsstücke sollte dabei nicht statisch wirken, sondern die Dynamik der Oberflächen unterstützen und weiterführen. Manchmal hat ein feiner Unterschied alles entschieden.

Auch die Farb- und Materialverteilung wurde innerhalb der technischen Zeichnungen gezielt kontrolliert. Verdichtete Bereiche, freie Flächen und strukturelle Übergänge entstanden nicht zufällig, sondern wurden bewusst eingesetzt, um unterschiedliche Intensitäten innerhalb der Silhouette auszubalancieren.

Im Verlauf des Prozesses entwickelten sich die technischen Zeichnungen zunehmend von rein funktionalen Arbeitsgrundlagen zu einer eigenständigen Form gestalterischer Analyse. Sie ermöglichten es, Proportionen, Schichtungen und visuelle Gewichtungen präzise zu untersuchen und gleichzeitig die emotionale Wirkung der Kollektion weiterzuentwickeln.

TECHNICAL DRAWINGS
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Die ersten Entwürfe dienten vor allem dazu, die Wirkung von Verdichtung, Farbe und Struktur im Zusammenhang mit Silhouette und Bewegung zu untersuchen. Punktstrukturen wurden dabei zunächst intuitiv eingesetzt, um unterschiedliche Intensitäten und atmosphärische Zustände sichtbar zu machen.

Besonders relevant war die Frage, wie stark Oberflächen visuell aufgeladen werden können, ohne ihre räumliche Wirkung zu verlieren. Einige Entwürfe arbeiteten bewusst mit Überfrachtung und starken Kontrasten, während andere gezielt Freiflächen integrierten, um Ruhe, Transparenz und Blickführung zu erzeugen.

Im Verlauf des Prozesses entwickelte sich zunehmend ein sensibleres Gleichgewicht zwischen Struktur, Farbwirkung und Form. Die Punktanordnungen wurden dadurch weniger dekorativ eingesetzt, sondern vielmehr als gestalterisches Mittel zur Steuerung von Spannung, Transparenz und Wahrnehmung verstanden.

Die gezeigten Visualisierungen wurden mithilfe von AI generiert und dienen als unterstützende Darstellung der Kollektion. Der Fokus liegt hierbei weniger auf der exakten Wiedergabe einzelner Oberflächenstrukturen, sondern vielmehr auf Materialität, Silhouette, gedachter Schnittführung und der atmosphärischen Gesamtwirkung der Looks.

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THE COLLECTION

Die Kollektion untersucht das Zusammenspiel von Struktur, Wahrnehmung und emotionaler Wirkung durch verdichtete Punktsysteme, transparente Oberflächen und geschichtete Materialstrukturen. Digitale Prozesse, manuelle Bearbeitung und experimentelle Materialarbeit greifen dabei ineinander und erzeugen ein Spannungsfeld zwischen technischer Präzision und organischer Wirkung.

Im Verlauf des Projekts entwickelte sich die Arbeit zunehmend zu einem offenen gestalterischen System, in dem Überlagerung, Transparenz und Verdichtung als Mittel zur atmosphärischen und emotionalen Übersetzung eingesetzt wurden.

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